Schottland 2010

 

Regenmacher


Also doch ein Urlaub dieses Jahr! Sorgfältige Budgetplanung  und genügend Fernweh ließen uns den Entschluss recht kurzfristig fassen: Es geht nach Schottland! Endlich mal wieder. Für mich lag der letzte Besuch ca. 15 Jahre zurück, für Jutta dagegen nur etwa 10 Jahre.

Hilfreich ist es, Geld in den Urlaub mit zu nehmen. Es bei Abfahrt auf dem Küchentisch liegen zu lassen, macht den Urlaub zwar preiswert aber auch sehr kurz. Also, zum Glück nur ca. 10 km zurück, das Geld von zu Hause holen und dann endlich los.

Frankfurts Ironman sorgte dafür, dass aus einer Fahrt durch den Taunus Richtung Eifel erst mal eine Tour über die A 45 wurde. Dann jedoch lockte die Eifel und die belgischen Ardennen. Eine schöne Fahrt bei traumhaftem Wetter. Auch wenn die ein oder andere Wolke Anderes verhieß, es blieb trocken und sehr warm.

 

5. Juli 2010

Schöne Gegend, hier in Belgien und sicher einen Kurzurlaub wert. Das Wetter zeigt uns jedoch bald, warum es hier so grün ist: Der Regen kommt nieselig und sehr quer durch den vielen Wind. So fahren wir geradeaus in Schräglage bis Menen, zu Juttas Schwester. Wir verbringen einige Stunden und verpassen fast nach Zeebrügge aufzubrechen.

Dort wartet unsere Fähre nach Kingston upon Hull und wir fühlen uns durchaus geehrt, als man uns am Ticketschalter schon mit Namen begrüßt, ähnlich zu spät eincheckender Fluggäste. Der Kahn ist rostig, die Kabine innen und saueng aber egal, Hauptsache pennen und auf die Insel.

 

6. Juli 2010

1 Stunde die Uhr zurück stellen und die Sonne begrüßen, die den Auftakt zum Linksverkehr leicht macht. Die Erinnerung daran, entsprechende Konzentration beim Fahren und schon geht es fröhlich durch einen Kreisel nach dem anderen.

Wir fahren nach York und genießen ein spätes Frühstück in der Sonne. Weiter Richtung Edinburgh auf kleinen Straßen mit lustigen kleinen Sprunghügeln, über die man die dahinter liegende Straße nicht sehen kann. Spannende Sache.

In Haltwhistle geht der Tag zu Ende, nicht ohne später noch ein paar Tropfen Regen rauszulassen.

 

7. Juli 2010

Nach Haltwhistle zu fahren hatte auch einen Grund: Wir wollten einen Blick auf den Hadrians Wall werfen. Erbaut zum Schutz der Römer vor den nordischen „Barbaren“. Nur welcher ist es? Steinmauern zwischen den Feldern gibt es jede Menge. Zum Glück aber auch genügend Hinweise auf die wirklich alten Steine. Na dann...

Mortonhall heißt der große Campingplatz vor den Türen Edinburghs und ist ein idealer Ausgangspunkt für einen Stadtbummel á la Pauschaltourist. Der Bus zur Innenstadt hält quasi vor der Tür. Sightseeing im offenen Bus bei Sonnenschein, ein Snack zum Tee und keinen Meter Moped heute. Tolle Stadt mit  viel Flair.

Nachdem mir beim Aufbau des Nachtlagers gestern mein aufblasbares Kopfkissen die Freundschaft gekündigt hat muss also ein Neues her. Rund um Princess Street gibt es 2 Outdoorläden und Ersatz ist schnell gefunden.

Abends genießen wir dann das deutsche Halbfinale der Fußball – WM im Stehen vor dem Fernsehraum. Ein Schotte drückt uns die Daumen und spendiert ein Bier. Das macht die Niederlage erträglich und befreit von der Sorge wo und wie wir uns das Endspiel anschauen könnten.

So vergeht der 8.7. komplett im Sonnenschein. Ist doch auch mal schön!

 

9. Juli 2010

Weiter Richtung Norden. Wir besuchen „The Bridge“ und verlassen den Großraum Edinburgh über die Fourth Road Bridge Richtung Inverness.

 

Hinter Dumfernline geht es runter von der A 9 und wir genießen die kleinen Landstraßen. Leider wird uns die teilweise grandiose Sicht auf die Landschaft durch Regenwolken verwehrt und Jutta kann die Schräglagenfähigkeit ihrer TKC weiter testen. Hat ja auch was.

Der Zufall und die Unlust weiter zu fahren spült uns nach Boat of Garten auf einen kleinen Campingplatz. Die letzte Sonne des Tages hat ein Einsehen und trocknet unsere Klamotten, während wir uns mit der kleinen Meute Kinder verlustieren, die unsere Mopeds besteigen und Löcher in den Bauch fragen.

"Testfahrer" Austen (8), Louise (6) und Sonny (5)

 

10. Juli 2010

Das ist einer der Tage und eine der Strecken, deretwegen wir hier sind! Hinter Inverness auf die 837 abgebogen und in einem weiten Bogen auf Single Track Roads Richtung Ullapool. Einfach nur schön! Die Sonne scheint, ein leichter Wind weht diese unglaublich saubere Luft in den Helm und wenig Verkehr unterwegs. Das macht alles Vorherige vergessen. So könnten wir Tage lang durch die Gegend rollen.

Ullapool empfängt uns sonnig und die Fish & Chips am kleinen Hafen schmecken doppelt gut. Das dreiste Möwenpack nimmt zwar manchmal Anlauf sich zu bedienen aber es bleibt bei der Andeutung eines Diebstahls. Hitchcocks Vögel lassen grüßen.

 

11. Juli 2010

Einen weiteren Ruhetag hatten wir ohnedies im Sinn, aber nicht so! Es regnet und bläst um das Zelt als wollte es den gestrigen trockenen Tag wett machen. Glücklicherweise waren wir schlau genug, das Zelt nicht direkt am Strand aufzustellen, sondern etwas abseits hinter einigen Hecken und Büschen. Das Geflatter hält sich also in Grenzen.

Wieder einmal stellen wir fest, dass dieses Zelt gerade bei solch einem Wetter toll ist. Die Apsis ist groß genug um gefahrlos kochen zu können und es bleibt genügend Platz sich mal auf einen Hocker zu setzen. Für Bewegungsfreiheit ist also gesorgt.

So vertreiben uns die ipods und Bücher den Tag, während die Zeltnachbarn am Strand fast davon fliegen. Meine Definition des Begriffs „innerer Frieden“ : Nichts denken, dumpf gucken, lesen, manchmal nach innen schauen, sprich schlafen und den Tag vorüber ziehen lassen.

 

12. Juli 2010

Ok es tröpfelt, na und? Trocken kann ja jeder. Das wird unser Motto dieses Jahr.

Wir bleiben an der Küste und werden mit trockenen Abschnitten und beim Tee in Applecross sogar kurzeitig mit Sonne verwöhnt. Die Fahrt ist herrlich und zum krönenden Abschluss gibt es eine Passfahrt bergab auf einer Single Track Road . Wer immer mit Spitzkehren Probleme hat, hier kann auf engstem Raum, mit Gegenverkehr, geübt werden.

Eilean Donan Castle ist immer einen Stop wert und eigentlich wollten wir hier entscheiden, ob wir Richtung Isle of Skye fahren oder nicht. Da in diesem Moment die Sonne scheint, ist das Thema durch und wir sind schon über die Brücke und auf der Insel unterwegs.

Ein Platz zum Pennen liegt auf der Strecke und auch heute stellen wir fest, dass wir verdammt gerne hier sind. Wetter hin oder her, die Landschaft entschädigt in jedem Fall.

 

13. Juli 2010

Ja Holla, die Sonne! Kilt Rock im Sonnenschein! Eigentlich ein banaler kleiner Wasserfall, allerdings direkt ins Meer. Die Klippen entlang der Küste sorgen für den spektakulären Rahmen, das Licht sorgt für die guten Fotos. Ist das schön hier!

Natürlich regnet es am Nachmittag. Da haben wir die Insel fast umrundet und sind auf dem Weg nach Fort William. Auch diese Fahrt, zwar schnell abgespult, wird in vollen Zügen genossen. Dunkle Wälder wechseln sich mit Seeufern ab. Sonne, Wind und Regen konkurrieren miteinander und die Frage, ob wir heute mal das Zelt trocken aufstellen verkommt zur Nebensache.

Wir erreichen Lochy, den kleineren von zwei Campingplätzen in Fort William und finden den Platz so vor, wie Jutta ihn in Erinnerung hat. Hier ist gut Pause machen und wir checken für 2 Nächte ein.

 

14. Juli 2010

Juttas Brummer hat heute Pause. Auf der Twin geht es zusammen ins Städtchen. Läden gucken, was zum Futtern kaufen, Haggis essen und überhaupt easy going. Also stört es auch nicht wirklich, dass es manchmal regnet. Es sei auch nur erwähnt um dem Titel des Berichtes Rechnung zu tragen.

Wer immer also in Erwartung größerer Hitze in Schottland glaubt, Hydro Fugal einpacken zu müssen, der sei hiermit eines Besseren belehrt. Es sei denn, Betreffender fängt schon bei 15° Celsius an zu schwitzen. Ebenso überflüssig ist eine Taschenlampe, zumindest zwischen 5.00 Uhr und 23.00 Uhr. Das nordnorwegische Mitternachtssonnensyndrom ist es zwar nicht aber lange genug hell, um aufzufallen.

 

15. Juli 2010

Ein weiterer Höhepunkt der Reise steht heute auf dem Programm: Die Fahrt durch Glencoe. Leider ist das Wetter, unser alles beherrschendes Thema, nicht auf unserer Seite. Nebel und Regen machen die Fahrt mühsam und wenig einladend für Fotostops. Wir fahren an Loch Lomond vorbei und mogeln uns am Stadtrand von Glasgow weiter Richtung Süden. Immer den, heute mal zornigen, Blick auf die Wolken gerichtet.

Ein Stück Autobahn Richtung Lake District artet zur Segelpartie aus: Jutta hat Ihre liebe Mühe halbwegs gerade an LKWs vorbei zu fahren ohne vom Wind unter die Reifen geschüttelt zu werden. Wenigstens trocknen die Klamotten während einer Kaffeepause etwas ab.

Wir erreichen den Campingplatz The quiet Site, hinter Penrith am Rand des Lake District gelegen. Einmal mehr sind wir von der Gastfreundschaft der Briten begeistert. Wir haben nämlich zu wenig Geld. Eine Bank, bzw. Postoffice zum Geld wechseln lag nicht am Weg und die vorhandenen 27 Pfund erschienen uns für heute ausreichend. Soviel sollte aber der Platz schon kosten!!

EC-Karten gehen in Great Britain nicht, zumindest nicht hier und heute. Also machen wir dem Warden klar, dass er zwar einen tollen und leider für uns zu teuren Platz hat, wir also weiter ziehen müssen. Schade, wollten wir doch in seiner gerühmten Bar heute mal ein Bier trinken. Das macht ihm dann doch zu schaffen. Wir einigen uns auf 22 Pfund und er lädt uns sogar zum Bier ein!

Gesagt, getan. Die Bar ist ein Hammer! Alt (aus dem 16. Jahrhundert) und sehr stilvoll eingerichtet. Ein unbeschreibliches Ambiente. Kaum drinnen, stehen die Bier vor uns und wir sind mit weiteren Gästen und dem Warden im Gespräch. So nett und anregend, dass er uns kurz vor Schluss, es ist fast  22.00 Uhr, noch ein Bier anbietet. Aber wir wollen die Gastfreundschaft nicht überstrapazieren, lehnen daher dankend ab.

Diese Nacht werden wir nie vergessen! Aus The quiet Site wird the orkany Site. Gegen 2.00 Uhr sind wir wach, weil unser Zelt abzuheben droht. Die Apsis flattert im Sturm, mittlerweile ohne Heringe. Also raus in Unterhosen, Heringe suchen und wieder in den Boden damit. Geht mit der Hand, da der Boden völlig aufgeweicht ist. Hat also keinen Zweck mehr. Der Zeltnachbar ist ebenfalls unterwegs.

Jutta hat die rettende Idee: Die Ortlieb Rack- Packs werden verschlossen und an den Seiten mit den Strippen der Apsis verbunden. Die Taschen bleiben drinnen und halten als „Heringsbeutel“ nun die Apsis so halbwegs an Ort und Stelle. Es ist trotzdem unglaublich, was dieses Zelt aushalten muss!

An der höchsten Stelle im Zelt sind es innen ca. 1,38 m. Das hindert den Wind nicht daran, mir das Zelt im Liegen auf den Kopf zu schlagen, so drückt der Wind. Hoffentlich bleibt der Baum hinter dem Zelt stehen. Die Mülltüte, die in der Apsis lag wird wohl jemand in Preston oder Manchester an den Kopf bekommen haben. Sie ist auf jeden Fall „gone with the wind“.

Erstaunlicherweise bleiben die Mopeds stehen und die beiden verbogenen Alu – Zeltstangen sind zwar sehr ärgerlich aber immer noch akzeptabler als ein zerrissenes Zelt. So unser Fazit am nächsten Morgen, derweil es nur noch nieselt und so tut als sei nichts gewesen.

 

16. Juli 2010

Lake District im Regen? Keine Lust. Dann lieber weiter Richtung Süden und Wales, immer in der Hoffnung auf besseres Wetter. Selten so gelacht im Nachhinein.....

Sicher gibt es bessere Weg durch den Großraum Liverpool und Manchester als die Autobahn. Aber wohl kaum schnellere, dachte ich. Aber nicht am Freitagmittag und nicht wenn eine Großbaustelle auf dem Weg liegt.

Also stauen wir uns gute 40 km im Stop an Go und trösten uns damit, dass es Freitags auf der A 5 oder A 3 auch nicht flotter zugeht. Hinter Chester wird es ruhiger und die Abendsonne versöhnt mit diesem unangenehmen Fahrtag.

 

17. Juli 2010

Portmeirion ist jeden Umweg wert, so man nicht ohnedies dort hin will, so wie wir.  Zumindest sei es jedem empfohlen, der einen Blick für schöne Häuser und Parkanlagen hat. Der Ort hat eine eigene Webseite - portmeirion-village.com – und daher spare ich mir lange Erzählungen über die Entstehung und Idee hinter diesem Projekt.

Ein schöner Tag! Bevor wir Portmeirion verlassen plaudern wir noch mit zwei belgischen Kollegen. Woher und wohin und wie war es? Dankbar über die vielen Infos muss ich seine Karte mit unserer bisherigen Tour voll markern. Viel Glück beim Wetter.....

Nicht weit von hier geht der Tag schön zu Ende

 

18. Juli 2010

und fängt wie schon so oft an: Abbau im Regen. Mittlerweile sehr schnell und eingeübt. Das Innenzelt separat ausgehängt und trocken verpackt, dann die Plane auf dem Boden einrollen und zum Schluss das Außenzelt einpacken, ebenfalls in einer Mülltüte versenkt, damit alles in der Box halbwegs trocken bleibt. Hat immer gut funktioniert.

In Aberystwyth soll die Promenade am Meer die Kulisse für einen Kaffee abgeben. Dave spricht uns an. Hat die Nummerschilder gesehen und outet sich als Dachdecker und sonstiger Tausendsassa, der in Friedberg gearbeitet hat und im Sauerland seine eigene Firma hatte. Wo war er eigentlich nicht, auf diesem Planeten? Wir hätten noch Stunden quatschen können, er sicher mehr als wir.

Wales und die schöne Gegend vergehen im Regen. Wir steuern Bristol an und ändern dann den Kurs Richtung Nord – Devon. Abends an der A 370 finden wir ein Plätzchen und der Chef des Platzes kommt später auf ein Schwätzchen vorbei.

Er mag sich gewundert haben, warum diese Germans abends ein Frühstück mit bacon, eggs und baked beans, zubereiten. Unsere Erklärung klingt logisch und wiederholt erfahren wir, dass das Wetter kurz vor unserer Ankunft noch traumhaft war. Das haben wir dieses Jahr sehr oft gehört und langsam keimt eine neue Geschäftsidee in unseren Köpfen: Sollten wir uns als Regenmacher bewerben? Wir werden in den nächsten Tagen testen, ob wir das Zeug dazu haben!

 

19. Juli 2010

Natürlich verblasst jede noch so schöne Küstenlinie, wenn man frisch aus Schottland kommt. Aber das ist unfair. Somerset und Nord – Devon haben eine schöne aber eben nicht spektakuläre Küste zu bieten. Auf jeden Fall die für uns steilste Küstenstraße mit 25% Steigung. Und vor uns ein alter T3 Diesel Camper. Hoffentlich raucht der jetzt nicht ab!

Wir befahren fast den ganzen Tag die A 39, liebevoll als Atlantic Highway ausgeschildert. Das nennen wir mal eine erhebende Namensgebung für eine zwar nette aber ansonsten einfache Straße am Meer entlang.

 

20. Juli 2010

Wieder eine schöne Begegnung heute morgen. Es regnet und als wir mit dem Abbau fertig sind, kommt der Senior des Platzes um die Ecke. Wir hatten unsere Helme und Tankrucksäcke vor dem Büro ins Trockene gebracht, um uns dann in Ruhe die Jacken und Mützen anzuziehen.

Ihr seid mit Motorrädern da? Darf ich die mal sehen? Wir stehen vor unseren Packeseln und der Senior gerät ins Schwärmen: Er sei früher auch gefahren und überhaupt, ob wir um die Welt führen? Leider nein, denn wenn wir mehr als 3-4 Wochen unterwegs wären, könnten wir uns neue Kunden suchen. Ach wie schade. Am Liebsten würde er jetzt mit uns fahren wollen aber mit seinen 93 Jahren.....

Heute wollten  wir eigentlich weiter nach Cornwall, bzw. Land´s End. Beim Anblick des Wetters jedoch ist uns die Lust vergangen. Außerdem müssen ja noch ein paar Ziele auf der Insel übrig bleiben.

Die Fahrt geht daher quer durchs Land Richtung Südküste. Abstecher über kleine Sträßchen machen die Fahrt abwechslungsreich. Weniger abwechselnd ist das Wetter. Es regnet!!

Nach der Kaffeepause auf einem Rasthof muss die Bedienung erst mal den Boden entwässern. Innerhalb von Minuten hatten wir respektable Pfützen produziert.

Brockenhurst ist ein Mammutcampingplatz. Um hier auf die Toilette oder duschen zu gehen, muss man einen vierstelligen Code an der Tür eingeben. Jeder! Wir machen den Fehler in Sichtweise der sanitären Anlagen zu campieren und das Gepiepe nervt schon nach kurzer Zeit. Aber egal, ist nur für eine Nacht.

 

21. Juli 2010

Dafür fängt der neue Tag versöhnlich an. Der Zeltnachbar schlendert zu uns rüber. Braucht Ihr was? Zeitungen oder so? Ich fahre zu den Länden, ich kann euch was mitbringen. Sie mögen manchmal skurril sein oder wirken, die Briten, aber man muss sie für ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft einfach lieben.

Natürlich fangen wir an zusammen zu quatschen und zu erzählen. Auch wenn es nur 10 Minuten dauert, es macht Spaß und man fühlt sich willkommen. Um so größer Brians Erstaunen als er hört, dass wir Billy Connolly mögen. Den schottischen Commedian schlechthin. In Deutschland völlig unbekannt, ist er bei Briten, Iren, Aussis und Kiwis eine Institution.

Es ist heute so ungewohnt warm, dass die Membranen aus Jacke und Hose fliegen und wir Richtung Brighton. Ein letztes Fish & Chips an der Promenade, wenn möglich mit Blick auf den bekannten Pier, der heute ein Spielcasino in seinem schönen Bau beherbergt.

Das klappt sogar und mehr soll es auch nicht sein mit dem Wetter. Auf dem Weg nach Folkstone zum Tunnelzug regnet es schon wieder. Zähneknirschend zahlen wir die teure Fahrt im Dunklen. Da wir aber heute Abend bei Juttas Schwester im belgischen Menen sein wollen, ist der Zug die schnellste Wahl.

Nein, in Belgien bleibt es auch nicht trocken! Also rückt das Thema Regenmacher doch irgendwie näher. Wir haben´ s scheinbar drauf!

 

22. Juli 2010

Ein schöner Tag zum Erholen, quatschen und belgisches Flachland gucken. Ieper ist ein netter Ort mit bemerkenswerter Backsteinarchitektur.  Ein letzter Check der Mopeds, morgen geht es in einem Rutsch über die Bahn nach Hause.

 

23. Juli 2010

Rund 480 Kilometer Autobahn verheißen Langweile, auch wenn die letzten ca. 80 Kilometer auf bekannten Strecken durch den Taunus den Weg abkürzen werden. Rund 560 km also. Da haben wir schon längere Tagesetappen gefahren. Aber nicht so!!!

Ein letztes Mal werden wir unserer neuen Profession als Regenmacher gerecht. Vor und um Liége ergießt sich ein Inferno. Der Scheibenwischer am Zeigefinger ist wirkungslos, die Membranen meiner Klamotten leisten erfolgreich Schwerstarbeit. Der Verkehr um uns rollt mit ca. 30 – 40 km/h dahin. Es könnte kaum gefährlicher sein und kein Platz zum Anhalten!

Der Rasthof Aachener Land liegt noch im Trocknen. Aus meinen Ärmeln läuft ein Sturzbach, als ich die Handschuhe zum Tanken von den Fingern quäle. Juttas Handschuhe färben im Regen immer ab, dementsprechend schwarze Pfoten hat Sie mittlerweile.

Schnell noch ´ne Stulle und ´ne Dose und weg hier, die Wolke kommt.

Es bleibt zwar trocken, wird aber schwül und das ist blöd. Am frühen Abend hat uns die heimatliche Scheune wieder.

Was bleibt?

Laut Juttas Tacho waren wir 4.630 Kilometer unterwegs. Laut meinem jedoch nur 1.010 km, weil er beschloss mal wieder zu streiken. GPS sei Dank, war mir das nach einem Tag Ärger egal.

2 H4 Birnen haben ihr Leben gelassen. Eine bei Jutta und aus Solidarität ist am nächsten Tag eine Birne bei mir ausgefallen. Etwas Öl für die Twin, ist ja schon alt und damit ist der technische Teil der Reise schon beschrieben.

19 Tage waren wir unterwegs. Ca. € 1.700,- sind auf der Strecke geblieben. Davon € 305,- für die Fähre Zeebrügge – Hull und € 219,- für den Tunnel. Die Spritpreisen pendelten zwischen 1.12 und 1.24 Pfund pro Liter.

Das war unser erster gemeinsamer Urlaub, wo wir trotz des wirklich schlechten Wetters unserem Zelt treu blieben. Kein Wunder, dieses Zelt ist Spitze!

Land und Leute sind immer wieder der Hammer! So viele nette Begegnungen und seien sie noch zu kurz ausgefallen. Es war, nach einigen Urlauben Richtung Balkan, eine Wohltat auf der Insel zu sein und sicher nicht das letzte Mal.

Wir haben da ja noch einige Rechnungen offen.......

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